KEINE ADOPTION GESCHIEHT AUS FREIEM INTERESSE EINFACH EIN KIND WEGZUGEBEN!

ES SIND SCHICKSALE WIE ARMUT, KRANKHEIT, KINDSVATER FEHLT,

MILIEUBEDINGTE VORAUSSETZUNGEN UND MASSIVEN DRUCK.

ZWANGSADOPTION & MISSGLÜCKTE ADOPTION

 

Ich Lisa Brönnimann, die Betreiberin dieser Website und ein ehrenamtliches Team von Adoptierten, setzen uns mit einem Stück dunkler schweizer Sozialgeschichte der Zwangsadoption & missglückten Adoption auseinander. Weil uns nicht nur Gerechtigkeit und Sensibilisierung ein Anliegen ist.

Nein, weil wir selber, wie tausend andere auch, Betroffene sind und wir wissen wie es sich anfühlt mit den Folgen Leben zu müssen. Das macht uns zu Experten.

Hier werden historische und wissenschaftliche Berichte publiziert, oder auf Webseiten von Organisationen und Anlaufstellen, die Beratung und Begleitung anbieten, hingewiesen. 


Zwangsadoptionen sind bekannt aus der Zeit des Nationalsozialismus, aus der Geschichte der DDR und BRD, England, Irland, Österreich, Dänemark, Spanien, Australien, Argentinien (siehe Desaparecidos), El Salvador, Peru, Kolumbien, Haiti, Kanada, USA, Äthiopien, Nairobi, Sudan, Somalia, Indien, Nepal und China. 

Fassungslosungläubig, traurig, ja, entsetzt scheint man jetzt wahrzunehmen, dass die vielen klagen von Zwangsadoptionsopfern, dessen Schicksale so unterschiedlich und doch so ähnlich sind, sich in der Schweiz ereigneten.

LIEDERLICH - SÜNDIG - ZÜGELLOS - BALG - BASTARD

Adoption, Zwangsadoption und missglückte Adoption sind noch immer ein Tabuthema und sie als Form der fürsorgerischen Zwangsmaßnahmen zu erforschen, ist auch deshalb notwendig, um den Opfern und Betroffenen die Würde ihrer erlittenen Erfahrung zurückzugeben und ihre Zeugenschaft ernst zu nehmen. 

Der "Druck" zur Adoption, wessen Mütter, resp. auch Väter massiv ausgesetzt werden, ist nicht Aktenkundig. Um die Gewissheit einer Zwangsadoption belegen zu können, braucht es die mündliche Aussage der leiblichen Mutter, resp. des Erzeugers. 

Adoptierte können keine Zwangsadoption belegen. Sie können von missglückter Adoption sprechen; von "psychischer, physischer, sowie sexueller Gewalt".

 

Ledige Mütter nannte man damals verächtlich "Weibspersonen, Weibsbilder, Luder, Verführerinnen" und bedachte sie mit Eigenschaften wie "verdorbensündig, lasterhaft, gottlos, unehrenhaft, gefallsüchtig, zügellos und liederlich."

Wer ein uneheliches Kind, einen "Balg" oder "Bastard" zur Welt gebracht hatte, war eine "gefallene, gestrauchelte, entgleiste, verkommene, gefährdete Person." 

Die Position des grabschenden, verführerischen und fremdgängerischen Mannes, in einer Männer regierenden Schweiz, (erst 1971 Einführung des Frauenstimmrechts), nahm seine Ehre, als Fremdgänger und Erzeuger eines Bastard, keinen schaden an.

Ausnahme machte man bei Erzeugern, die Alkoholiker, Arbeitslos oder Vagabunden waren. Sie mussten mit dem schlimmsten Rechnen - administrativ Versorgung in einer Arbeitsanstalt ohne entlohnt zu werden, oder auf unbestimmte Zeit ins Gefängnis. 

Baum steht in Liebefeld bei Bern. Künstler unbekannt
Baum steht in Liebefeld bei Bern. Künstler unbekannt

Zwangsadoptionen sind Mittel des staatlichen Eingriffs in das Familienleben. Aus verschiedenen politischen Gründen agiert der Staatsapparat mit der Herausnahme von Kindern aus den Herkunftsfamilien und der Fremdplatzierung in Pflegefamilien.  

Indem man die Kinder von Fahrenden in Heime und Pflegefamilien platzierte, wollte man auf diese Art, die Fahrenden Sesshaft und zu brauchbaren Bürgern machen. Wie viele ihrer Kinder aus ethischen Gründen Zwangsadoptiert wurden liegt nicht vor. 

 

Der Gedanke einer Umerziehung der betroffenen Kinder, sei es aus rassischen - kulturellen oder politischen - finanziellen Motiven, spielt bei der Zwangsadoption eine Rolle.

 

Bei der Durchführung von Zwangsadoptionen handelt es sich um den Missbrauch von staatlicher Gewalt gegenüber dem Bürger. Kennzeichnend für Zwangsadoptionen sind der gezielte Einsatz seelischer Grausamkeiten und psychischer Gewalt gegenüber betroffenen Müttern, Väter, resp. Eltern und ihren Kindern, mit der Trennung der bestehenden familiären Bindungen und der anschließenden Ungewissheit über das Schicksal der Familienangehörigen.

Bei den rassisch - kulturell motivierten Zwangsadoptionen tritt bei den Kindern zusätzlich zur elterlichen Entfremdung das beabsichtigte Phänomen der kulturellen Entfremdung bei Sprache, Sitten, Glauben und Geschichtsinterpretation auf.

 

Anfang der 70er Jahre des 20. Jahrhunderts erhoben sich einige Mütter und äußerten sich, dass man ihnen mit Druck und Erpressung, mit administrativer Versorgung in Anstalten drohte, wenn sie die Unterschrift zur Adoptionsfreigabe nicht geben.

Der Beobachter war der erste der davon 1972 berichtete.

 

Die mündlichen Erinnerungen der Mütter, resp. der Väter, wurden jahrzehntelang von den Behörden und Politiker ignoriert, oder gestützt auf die Aktenlage, als unbeweisbare Behauptungen oder Übertreibungen abgetan. Dazu machte die sozialpolitische Ideologie Opfer für das, was sie schilderten, selber verantwortlich. Weil Kindswegnahmen – also auch Zwangsadoptionen – ja von vornherein nur bei charakterlich zweifelhaften Müttern, resp. Eltern nötig gewesen sein konnte.

Die Scham über diese Stigmatisierung hat dazu geführt, dass viele Opfer und Betroffene ihre Erfahrungen bis heute nicht erzählen wollen oder können.

 

Einige Opfer und Betroffene organisierten sich und treffen fanden in Zürich statt. Um Gehör zu erlangen, gingen immer wieder einige an die Öffentlichkeit.

2006 war es wiederum der Beobachter, der auf drängen von Opfern über Zwangsadoption publizierte. Der Artikel brachte vieles ins Rollen. Es meldeten sich sehr viele Opfer und erstmal hörten auch ParlamentarierInnen hin und zunehmend finden konstruktive Verhandlungen statt.

 

Die Umsetzung, das leibliche Mütter die Kenntnisnahme über ihre geraubten Kinder erhalten und das bei Adoptionsmissbrauch eine Adoption durch das Adoptivkind aufgelöst werden kann, ist bis heute politische Diskussion.

30. September 2016 anerkennt man den Opfern einen finanziellen Solidaritätsbeitrag für das erlittene Leid an und am 1. April 2017 tritt das Gesetz AFZFG = Aufarbeitung fürsorgerische Zwangsmaßnahmen und Fremdplatzierungsgesetz in Kraft.

BABY UND KINDERHANDEL

Kinderlose Ehepaare wünschen sich ein Kind. Um diesen Wunsch zu erfühlen kommt eine Adoption in betracht. Solche Inserate erschienen in Schweizer Presse bis in die 70er Jahren des 20. Jahrhunderts zu Hauf. 
Vermittlungsstellen spriessten wie Pilze aus dem Boden. Neugeborene wurden an zahlungskräftige Adoptionseltern als Ware verkauft. Je mehr Wunsch Faktoren überein stimmten, desto teurer war ein Baby. 
Die Profiteure waren Vermittlungsstellen, Spitäler, Heime, deren Personal, sowie Heimatgemeinden und Armen- Vormundschaft. Sie profitierten mit dem Verkauf, der unter Willkür weggenommenen Babys.

Anderer Seitz gab es verzweifelte Eltern. Welche aus Armut ihr Baby verkauften und so hofften ihrem Kind eine bessere Zukunft zu gewähren. Erhielt die Wohngemeinde Kenntnis von diesem Handel, wurden die Eltern Angezeigt und mussten mit einer hohen Busse bis zu administrativer Versorgung rechnen. 

Statt Hilfe gab es Sanktionen. Das Baby kam in ein Heim oder zu Pflegeeltern und die leiblichen Eltern wurden zu Alimenten Zahlungen gezwungen. Spätere Adoption war nicht ausgeschlossen. Institutionen publizierten solche Inserate auch. Ihnen drohte keine Sanktion


Vielen ist nicht bewusst, dass die Freiheiten die wir heute geniessen,

wie Partnerwechsel, Konkubinat, uneheliche Kinder, Abtreibungen, noch vor einigen Jahrzehnten in der Schweiz, jedem zum Verhängnis werden konnte.


WARUM ZWANGSADOPTION SCHWIERIG ZU ERFORSCHEN IST

Bis heute weiß man über Zwangsadoption als fürsorgerische Zwangsmaßnahme sehr wenig. Es gibt keine sozial geschichtliche Darstellung zum Thema, die bedeutend über journalistische Einzelfalldarstellungen hinausginge.

 

Ein Grund dafür ist folgender:

Je nachdem, wie sich die Konstellation von moralischen Wertvorstellungen und ökonomischen Interessen, wie sich die Interessenlagen der Kindsmutter und allenfalls ihrer Eltern, jene des Kindsvaters und jene der Vormundschaftsbehörden zusammenfügten, erhält jeder Zwangsadoptionsfall etwas Einzigartiges, das ihn mit anderen unvergleichbar zu machen scheint.

Umgekehrt ist aber auch wahr:

Alle Erzählungen von Zwangsadoptionen weisen trotzdem klar benennbare Muster auf, Hinweise auf wiederkehrende Player, auf konstant gleiche Interessenlagen und auf unverwechselbare, zeitbedingte gesellschaftliche Normen.

Der Grund, warum «Zwangsadoption» bis heute unerforscht ist, ist deshalb ein anderer:

Die Zwangsadoption ist eine fürsorgerische Zwangsmaßnahme, die keine aktenkundigen Sachverhaltsfeststellungen produzieren konnte. Entsprechend paradox ist die Quellenlage, denn aus der Perspektive der Akten kann es Zwangsadoption gar nicht geben. Akten verschweigen den "Zwang" durch Auslassung grundsätzlich und dokumentieren stattdessen die von der Kindsmutter unterzeichnete «Verzichtserklärung», womit die Freiwilligkeit des Vorgangs explizit ausgewiesen ist.

Umgekehrt dokumentieren die Erinnerungen der Mütter den Vorgang in dramatischer Weise:

Mütter berichten derart konkret von Einschüchterungen, Nötigungen, Drohungen, von behördlichen Halbwahrheiten und Lügen, dass die Schilderung zwar im Einzelnen unpräzis oder in gewissen Einschätzungen übertrieben oder gar falsch sein mag, aber in der Vielzahl der Berichte unmöglich erfunden sein kann.

Diese paradoxe Quellenlage mit zwei nicht oder nur am Rand kompatiblen «Wahrheiten» hat für die direkt Betroffenen und für die historische Aufarbeitung der Zwangsadoption bis heute drei Folgen gehabt:

Auf Seiten der Handelnden in den zuständigen Behörden gab es lange Zeit kein oder nur wenig Bewusstsein, dass das, was sie faktisch taten, unter «Zwangsadoption» zu subsumieren wäre. Soweit ein solches Bewusstsein vorhanden war, diente es dazu, durch aktenmäßige Dokumentierung die formale Legalität und moralische Legitimität des administrativen Vorgangs zu dokumentieren. Im schlimmen Fall konnte diese Aktenführung so in den Dienst des Täterschutzes gestellt werden. Weil zudem der Grundsatz vorausgesetzt werden kann, dass nicht in der Welt ist, was nicht in den Akten steht, hat es aus der Sicht der Akten Zwangsadoptionen auch dann nicht gegeben, wenn sie damals routinemäßig durchgesetzt worden wären.

 

Wenn Forschung im Fall der Zwangsadoption mehr und anderes will, als die damalige, zeitbedingte Ideologie der fürsorgerischen Zwangsmassnahmen – den «Zeitgeist» – zu bestätigen, muss sie in einem gewissen Mass parteiisch voreingenommen die mündlichen Quellen für glaubwürdig halten, auch wenn sie der Aktenlage widersprechen. Wenn bis heute keine sozialgeschichtlich vertiefte Monografie zur Zwangsadoption geschrieben worden ist, ist diese Quellenlage sicher ein wichtiger Grund dafür.

Quelle 2011-2015:

Informanten:

Lisa Brönnimann = Präsidentin Zwangsadoption-Schweiz

Frau Luther = Schweizerische Fachstelle für Adoption

Luzius Mader = Delegierter FSZM

Konferenz der kantonalen Sozialdirektorinnen und Sozialdirektoren = SODK

Recherchiert durch:

Fredi Lerch = Journalist


ERSTER UND EINZIGER ZEITZEUGENBERICHT

DIE DUNKLE SCHWEIZER SOZIALGESCHICHTE - ZWANGSADOPTION, ADOPTIONSMARKT, SCHWARZMARKT UND KINDERHANDEL

Die mündlichen Erinnerungen der Kindsmütter, resp. auch der Kindsväter, wurden jahrzehntelang ignoriert. Ich, Lisa Brönnimann, als ehemaliges Mitglied und Aktuarin (2009-2014) beim Verein Netzwerk-Verdingt, brachte als Opfer von missglückter Adoption und Vertreterin meiner biologischen Eltern und vieler anderer Mütter, resp. Väter, die Opfer von Zwangsadoption wurden, auch diese Anliegen im Verein Netzwerk-Verdingt an.

So wurde auf mein bitten hin, im Jahr 2014 eine erste Studie über Zwangsadoption vom Verein Netzwerk-Verdingt finanziert und Fredi Lerch, Journalist damit beauftragt.

Die Aufarbeitung kann hier Heruntergeladen werden und gerne erhalten Sie Einblick in die Tonaufnahmen und den Email verkehr, wesen zwischen mir, als Informantin über Zwangsadoption und Fredi Lerch, als Forscher stattfand. Zudem wird in der Wanderausstellung tiefer auf das dunkle Kapitel der Zwangsadoption eingegangen. Wir freuen uns auf ihren Besuch. 

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POLITISCHE VORSTÖSSE

ZWANGSADOPTION ERHÄLT EIN GESICHT UND KOMMT VOR DAS PARLAMENT 
Der Beobachter war 1972 massgeblich daran beteiligt, dass die Zwangsadoptionen von Kindern von Fahrenden, angeordnet durch die Organisation Kinder der Landstrasse, in den Mittelpunkt des öffentlichen Interesses rückten, und 1978 an der Lancierung einer Volksinitiative, welche den Weg für das erste Schweizer Opferhilfegesetz bereitete. Leider verstummten die Stimmen um die Opfer von Zwangsadoption.
Erst wieder 2006 wurde Politik und Schweizervolk durch den Journalisten CHRISTOPH SCHILLING auf die Opfer von Zwangsadoption hinhörig. Er gab den verwaisten Müttern, resp. Väter ein Gesicht und brachte das dunkle Schweizer Kapitel der Zwangsadoption mit dem Artikel im Beobachter April 2006 ins Rollen. Es löste ein großes Echo aus. Herzlichen Dank Herr Schilling für Ihre beherzte Zivilcourage
ROSMARIE ZAPFL - Nationalrätin
Sie nahm sich Zeit, hörte den Betroffenen Mütter zu und Handelte auf Bundesebene.
Mit der Einreichung der Motion "Adoptionsgeheimnis" im Jahr 2006.

CHRISTOPHE DARBELLAY - Nationalrat

Er übernahm die Motion im Jahr 2007

JACQUELINE FEHR - Nationalrätin
Sie reichte im 2009 die Schubladisierte Motion "Adoptionsgeheimnis" erneut ein.
Welche am 28. November 2014 angenommen wurde.
Mit der Gesetzesgrundlage 268e erhalten leibliche Eltern in Zukunft die Kenntnis über ihre Erwachsenen adoptierten Kinder, sofern diese einer Kenntnisnahme zustimmen.  
MARCUS ANDRI - ehemaliger Adoptierter
Er lancierte 2013 die Petition "Aufhebung der Adoption zum Wohl des Kindes".
Die Petition wurde 2014 mit folgender Begründung  abgelehnt: "jedem Adoptierten stehe es frei, mit Volljährigkeit den Kontakt zu der Adoptivfamilie abzubrechen."
Das es bei der Petition um Loslassen eines schweren Rucksack, gefüllt mit Psychischen und Physischen folgen handelt, verstehen sehr viele Parlamentarier nicht.

AUSSTELLUNG ADOPTIONSTABU

Besuchen Sie 2018 die Wanderausstellung und erfahren unter anderem mehr über das dunkle Sozialkapitel Zwangsadoption, Zwangsabtreibung und Zwangssterilisation -Kastration.


FÜR SIE DA

Sie Sind Opfer von Zwangsadoption oder missglückter Adoption und möchten ein Anliegen vorbringen, oder brauchen Unterstützung; unter FÜR SIE DA erhalten sie mehr Information 

Aktualisiert am 11. März 2017