Therese

Ich war Jung als ich Heiratete. 18. Jahre, aber so was von verliebt. Wir mussten beide hart arbeiten, unsere Eltern konnten uns nicht unterstützen. Sie hatten selber nichts. So gebar ich meine erste Tochter mit 21. Jahren. Das Geld wurde knapper und knapper und ich wurde wieder Schwanger. Ein Sohn. Nun blieb ich zuhause und das Geld reichte kaum hin. Mein Mann fing an mich zu schlagen. Endlich fand ich einen weg um Geld zuverdienen und die beiden Kinder versorgt zu wissen, als ich wiederum Schwanger war und die Arbeit aber mal aufgeben musste.

Die Gewalt von meinem Mann hielt ich nicht mehr aus. Die Liebe war auch dahin. Da entschloss ich mich, all das elend hinter mir zu lassen und zog zu einer guten Freundin. Die Kinder lies ich schweren Herzens zurück. Als ich mein drittes, eine Tochter gebar, wurde mir diese im Spital weggenommen. Man sagte, es sei zu meiner und des Kindes Sicherheit, bis die Situation mit meinem noch Ehemann geklärt sei.

Ja sicher, ich stimmte der fremd Platzierung zu. Aber was konnte ich tun. Keine Wohnung; und wie sollte ich arbeiten mit dem Kind! Das ich meine Tochter für sehr lange zeit nicht wieder sehen werde, hätte ich doch nie gedacht. Mit 25 Jahren stand ich vor einem Scherbenhaufen.

Arbeit fand ich schnell und die Scheidung vollzog man ohne grosses Theater. Die beiden älteren Kinder blieben beim Mann, kamen aber später auch zu Pflegeeltern. Den kontakt zu Ihnen hatte ich jedes zweite Wochenende. Jedoch mein Marilie sah ich 26. Jahre nicht. Adoptiert nach Winterthur. Sie hatte es Gottseidank gut.

Sie hat mich gefunden. Aber eines haben wir bis heute nicht gefunden: Die Verzichts Erklärung. Welche in der Adoptionsurkunde vermerkt ist. Ich bin mir sicher, dass ich nie eine Unterschrieben habe. Wir nahmen dieses Jahr Akten Einsicht. Es hat mich einfach nur Geschüttelt, wie der Vormund abwertend über mich schrieb.

Zu meinen Kinder habe ich heute, guten kontakt. Auch zu den beiden Lausbuben von Grosskindern. Die bereiten mir grosse Freude. Jedoch macht es mich traurig, das diese Zweisamkeit mir und meinen Kinder nicht gegönnt war.

           Zwangsadoption-Schweiz Mitglied    Therese