GEBORENER GIUSEPPE - ADOPTIERT MARKUS

"Du bist gekauft, du bist gekauft! Du bist nicht von hier! Das ist nicht deine Mutter!" riefen sie mir im Kindergarten nach. "Nein, das stimmt nicht, Kinder kann niemand kaufen!" Dieses Ausgelacht werden war meine erste bewusste Konfrontation mit der Adoption. Die Mutter die ich liebte, kaufte mein Bruder, mich und meine Schwester. ich war 1953 in Bern geboren.

Es schmerzte zu sehr, verlassen zu werden. Verlassen werden? Nein, damals, zur Zeit der Adoption, war ich zu klein, um das zu spüren, oder doch nicht? Niemals würde ich Kinder adoptieren, weil ich an Leib und Seele erfuhr, das Adoptiveltern die wahre Mutterliebe unter keinen Umständen ersetzen können. Die ganze Kindheit fühlte ich mich verlassen und kämpfte mit Verlust Ängsten.

26 Jährig, bereits verheiratet, besuchte ich mit meiner Frau meine Heimatgemeinde, im Züribiet. Ein Bauer, im Nebenamt, schlug ohne grosse Bedenken das Dicke Buch auf mit den vielen Namen, Geburten und Sterbenden. "Eigentlich dürfte ich Ihnen das hier nicht zeigen, aber ich begreife Ihr Verlangen, Ihrem Ursprung, nachzugehen". Ein Bauer mit Herz, kein Beamter, dachte ich mir. Mein Herz hüpft wie wild. Ich erfuhr, ich habe ein Bruder 1947, auch adoptiert, im Waadtland und meine Mutter hat auch geheiratet. Um diese Informationen zu verarbeiten, brauchte ich fast 10 Jahre.

Unterdessen ging meine Ehe in die Brüche, meine Frau verliess mich zusammen mit unseren zwei Töchtern, und ihr Weggehen hinterliess bei mir einen tiefen Schmerz des Verlassen seins. Erneut landete ich in einer Gesprächstherapie, diesmal ohne Psychopharmika, dafür etwas länger, tiefer, intensiver und nachhaltiger.

Nun mit 39 Jahren machte ich mich auf die Suche nach meiner Mutter, welche in Thun wohnt, im Spital Nachtschwester ist und drei Söhne aus der Ehe hat. Da steh ich nun vor dem Chalet und kann die Einfahrt nicht überqueren. Es sollte wieder ein Jahr vergehen und wieder brauchte ich eine Therapie. Ich rufe die Adoptionsstelle an und bitte um Vermittlung. Wir wechseln Briefe und dann kommt meine leibliche Mutter mich besuchen. Als ich meine leibliche Mutter das erste mal sah, wurde mir bewusst, dass nur diese Mutter mir so einen Starken Körper schenken konnte, der standhält und meinen starken Willen und Geist ermöglicht.  So bestehe ich aus drei Wesensbestandteile: mein eigenes Selbst, die Wesenszüge der leiblichen Eltern und der Adoptiveltern. Mit der Gewissheit wo meine Wurzeln sind, kann ich endlich mit meinen Verlusts Ängsten Umgehen.

ehemaliger Adoptierter   Markus