HEIDI

Ich konnte es nicht mehr hören: "Du hast dies zu tun, das zu lassen und mit dem nicht zu verkehren". Wenn es nach meinen Eltern gegangen wäre, hätte ich nie einen Mann gefunden. Ich wollte Leben und Geniessen, wie all die anderen auch. Fühlte mich zu Jungs hingezogen, speziell zu einem, mit dem ich seit 1966 Verheiratet bin.

 

Ach, war das ein Skandal für meine Eltern, als ich mit 18 Jahren Schwanger wurde. Für meine Eltern stand fest, das Kind kommt zur Adoption, was sollen den sonst die Nachbarn denken. Ich setzte mich durch und konnte noch vor der Geburt meinen Schatz der in der Lehre war, heiraten.

Ich hatte keine einfache Schwangerschaft, so wurde beschlossen ein Kaiserschnitt sei das Beste. Noch benommen legte man mir Dokumente zum Unterschreiben vor. Mein Mann erhielt die gleichen Papiere vorgelegt. Da er meine Unterschrift sah, nahm er an ich hätte alles durchgelesen und er gab seine Unterschrift auch ohne durchzulesen.

Als nach Stunden, ich meinen Sohn immer noch nicht sah, befürchtete ich, das es meinem Baby sehr schlecht geht und fragte immer wieder, wann ich mein Baby sehen kann. Schwester Martha erwiderte bloss: "Der Arzt wird sich bei Ihnen melden". Ich dachte auch nichts dabei, als man mir meine Brüste mit Ganfer einband.

Den Tag darauf war ich ziemlich bei Kräften und suchte das Säuglingszimmer auf. Ausser mir war noch eine andere Mutter, welche am gleichen Tag eine Tochter gebar. Die fünf Kinderbetten waren mit den Namen versehen, doch mein Stephan war nicht darunter. Man zog mich aus dem Zimmer und sagte mir: "Seien Sie nun vernünftig und gehen Sie in ihr Zimmer zurück". Da spürte ich, das etwas nicht stimmt. Man holte den Arzt und die Oberschwester, welche mir verkündeten, das mein Sohn in einem anderen Spital bei seiner Adoptivmutter sei. Sie hätten auf Anordnung der Berner Vormundschaft gehandelt. Ich konnte mich nicht mehr beherrschen und Toppte.

Ich wurde nach Münsingen in die Psychiatrie versorgt. Mein Mann erachtete es als wichtiger mich aus der Psychiatrie heraus zubringen und nicht um die Zwangsadoption unseres Sohnes zu kümmern. Nach 4 Monaten wurde ich in schlechtem zustand aus der Psychiatrie Münsingen entlassen. Wir suchten Hilfe bei einem Notar, welcher uns verkündete, das man in den ersten 6 Wochen, eine Adoption annullieren konnte, nun sei sie Rechtsgültig. Schweren Herzens mussten wir lernen mit dieser Situation umzugehen. Den Auskunft erhielten wir keine mehr.

Nach 14 Jahren wurde ein Treffen durch eine Organisation organisiert, mit bestürzten Adoptiveltern und unserem Zwangsadoptierten Sohn. Ihnen wurde durch die Vermittlungsagentur versichert, das Stephan ein Waisenkind sei. Die Adoptiveltern waren bemüht ihrem Adaptivsohn stets die Wahrheit zu erzählen und so liessen sie selber eine Herkunftsforschung der leiblichen Eltern erstellen und mussten mit entsetzen feststellen, das man nicht nur uns als Eltern betrogen hat, auch Sie wurden Belogen. Die Adoptions-Vermittlungsagentur existierte zu dem Zeitpunkt nicht mehr. Die Schuld wollte niemand auf sich nehmen. Die Vormundschaft Bern sagte uns 1981: "Seien sie dankbar das sich alles zu Ihren Gunsten entwickelt hat". Es gibt keine Worte über solch kalte Vormünder, die über andere Leben bestimmen. Ich bin mir sicher, das Ärzte im Berner Spital mitschuldig sind.

                                                        Zwangsadoption-Schweiz Mitglied   Heidi