Opfer, auch wenn es schwer fällt, sollen ihre Täter anzeigen,

sonst haben diese ein zweites mal gewonnen.

  Lisa Brönnimann


Prävention von sexueller Ausbeutung, Missbrauch und anderen Grenzverletzungen ist ein breit diskutiertes Thema und geht alle etwas an.

Das Wegschauen hat der Bereitschaft Platz gemacht, hinzuschauen - nicht nur innerhalb der Institutionen und Organisationen, sondern auch in der Öffentlichkeit.

WIR SCHAUEN HIN

Zwölf Verbände, Organisationen und Institutionen haben am 25. November 2011 in Bern die Charta zur Prävention von sexueller Ausbeutung, Missbrauch und anderen Grenzverletzungen unterzeichnet und den Medien vorgestellt. Sie fordern eine Null-Toleranz-Politik und setzen vor allem bei den Mitarbeitenden und bei der Stärkung der Personen mit besonderem Unterstützungsbedarf an. Ihre wichtigste Botschaft lautet:  «Wir schauen hin! Und zwar gemeinsam.»

 

Mit Blick auf die Lebensqualität von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen ist dies eine erfreuliche Entwicklung, aber vorerst nur ein Anfang. Wenn die Bereitschaft zum Hinschauen auch im Einmischen und Umdenken münden soll, braucht es gute, gezielte Bildungs- und Weiterbildungsangebote für Personal und Fachkräfte. Resp.. gut ausgebildete und sensibilisierte Fachkräfte.

 

Mitarbeitende, die über konkrete Umsetzungsideen verfügen und bereit sind, diese Handlungskonzepte couragiert und trotzdem mit Gespür für die Bedürfnisse der Beteiligten in der Praxis zu leben, sind in jeder Institution und Organisation zentral.

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10 Grundsätze zur Stärkung der Personen mit Unterstützungsbedarf,
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VORGEHENSWEISE BEI VERDACHT ODER KENNTNIS VON SEXUELLER GEWALT

NICHT ALLEINE BLEIBEN!

In jedem Fall gezielte fachliche Unterstützung holen, bei der internen Meldestelle oder anderen dafür bezeichneten Stellen Hilfe anfordern, siehe Adressen von Beratungs- und Opferhilfestellen dieser Website interne Dienstwege beachten und kein Schweigegelübde abgeben.

 

OPFER SCHÜTZEN!

Hinweise ernst nehmen und dies auch vermitteln. Bei jedem Schritt ist das entscheidende Kriterium, ob er im Interesse und zum Schutze des Opfers ist.

 

NICHT DIE VERDÄCHTIGTE PERSON KONFRONTIEREN!

Keine Informationen, Warnungen oder Konfrontationen gegenüber Beschuldigten. Keine Informationen an Kolleginnen/Kollegen, an andere Beteiligte, Mitarbeitende, Eltern etc.

 

NICHT SELBER UNTERSUCHEN!

Eigene (Vor-)Abklärungen immer in Zusammenarbeit mit der Opferhilfe/Polizei machen. Für die Untersuchung ist allein die Strafuntersuchungsbehörde zuständig. 


MELDE- UND BERATUNGSSTELLEN

Im letzten und abschliessenden Punkt der Charta verpflichten sich die unterzeichnenden Organisationen dazu, interne, niederschwellige Meldestellen einzurichten. Eine fachlich kompetente Person steht als erste Anlaufstelle allen zur Verfügung, auch den gesetzlichen Vertretungen und den Angehörigen. Die Meldestelle muss leicht erreichbar sein – auch für Menschen, die nicht mobil sind oder Unterstützung in der Verständigung benötigen. Alle Personen einer Institution oder Organisation haben aber auch die Möglichkeit, sich an eine externe Stelle zu wenden. Die Organisationen und Institutionen sorgen dafür, dass eine solche externe Stelle allen bekannt ist, z.B. durch Interne Informationen, Anschlagblätter, Verträge usw.

DEFINITIONEN

Die verbandsübergreifende Arbeitsgruppe verwendet in der Charta den Begriff Meldestelle. Sie versteht diesen Begriff als synonym zu weiteren möglichen Bezeichnungen wie Anlauf- oder Ombudsstelle. 

Die Meldestelle ist für die verbandsübergreifende Arbeitsgruppe ein wichtiger Bestandteil eines ineinander greifenden, sich ergänzenden Systems, in welchem auch die Aufsichtsgremien eine zentrale Rolle spielen. Die verschiedenen Ebenen dieses Systems werden im Folgenden veranschaulicht und weiter unten näher erläutert

INTERNE MELDESTELLEN

An die interne Melde- oder Anlaufstelle kann sich wenden, wer Hinweise auf eine mögliche Grenzverletzung oder auf sexuelle Ausbeutung hat. Eine entsprechende Mitteilung ist keine Denunziation, sondern dient der Klärung. Die zuständige Person der Meldestelle hört zu, nimmt die Mitteilung ernst und kann beraten, wie weiter vorzugehen ist. Sie verfügt über eine Ausbildung, die sie dazu befähigt, auf Hinweise und Verdachtsmomente professionell und adäquat zu reagieren.

Jede Institution verfügt mindestens über eine niederschwellige, interne Meldestelle, die rasch und unkompliziert für alle (Mitarbeitende, Bewohnerinnen/Bewohner, Schülerinnen/Schüler, Klientinnen/Klienten, Angehörige etc.) erreichbar ist. Um organisationsinterne Hindernisse oder hierarchische Stolpersteine zu umgehen, kann es auch sinnvoll und nutzbringend sein, mehrere interne Meldestellen zu definieren. Damit jemand bei einer internen Melde- oder Anlaufstelle vorsprechen kann, sind keine formellen Hürden zu nehmen. Die zuständige Person kennt verschiedene Möglichkeiten der Kommunikation mit Menschen, die sich schlecht verbal ausdrücken können oder auf Kommunikationshilfen angewiesen sind.

Wie die Stelle konkret organisiert ist, hängt mitunter von der Grösse und Struktur einer Institution oder Organisation ab. Wichtig ist, dass sie von einer Person betreut wird, die Vertrauen geniesst. Sie kann auch ausserhalb der Hierarchie stehen.

Die interne Meldestelle ist allen bekannt, auch den Angehörigen und gesetzlichen Vertreterinnen/Vertretern. Sie ist z.B. Bestandteil des Unterbringungsvertrags bzw. des Arbeitsvertrags und wird öffentlich zugänglich, beispielsweise an der Informationstafel, ausgeschrieben.

Folgende Grundsätze sind zentral:

  • Die Aufgaben der Meldestelle und ihre Einbettung sind klar beschrieben. Es existiert ein Handlungskonzept zum Vorgehen bei Verdacht oder bei konkreten Vorfällen.
  • Sie hat die Ressourcen und Kompetenzen, um Meldungen nachzugehen und um aktiv zu werden.
  • Das Fachpersonal der Meldestelle kennt seine Grenzen und holt bei Bedarf rasch professionelle (externe) Unterstützung.
  • Die Mitarbeitenden einer Institution oder Organisation sind verpflichtet, Beobachtungen resp. Vorkommnisse zu melden. Sie sind mitverantwortlich, durch Aufmerksamkeit und Achtsamkeit Übergriffe zu erkennen, zu verhindern resp. zu stoppen.

Internes Aufsichtsgremium

In jeder Institution oder Organisation ist letztlich das oberste Aufsichtsgremium zuständig für die Prävention von sexueller Ausbeutung, Missbrauch und anderen Grenzverletzungen sowie für Massnahmen, wenn es zu solchen Übergriffen gekommen ist. Möchte sich jemand nicht an die Meldestelle wenden, muss auch der Weg direkt zur zuständigen Person des Aufsichtsgremiums (Stiftungsrat, Vorstand) möglich sein.

Das Aufsichtsgremium definiert die Kriterien für interne Kontrollen und veranlasst diese auch. Die Zuständigkeit von Geschäftsleitung und Aufsichtsorgan ist klar geregelt.

 

Verbandsinterne Meldestelle

Die verbandsinterne Meldestelle ist ein weiterer Kanal, um sicherzustellen, dass Verdachtsfällen oder vermuteten Vorkommnissen nachgegangen wird. Es gibt viele Gründe, weshalb sich eine Person nicht an die interne Stelle wenden möchte und auch keine externe Stelle kontaktieren will. Die verbandsinterne Meldestelle hat die gleiche Funktion wie die interne Meldestelle.

 

Externe Meldestelle

Als externe Meldestellen werden die Opferhilfestellen, die Ombudsstellen oder Schlichtungsstellen, welche im Rahmen des IFEG (Bundesgesetz über die Institutionen zur Förderung der Eingliederung von invaliden Personen) geschaffen wurden, bezeichnet. Diese Stellen bieten unabhängige Beratungen bei (sexuellen) Übergriffen an. Ihr Aufgabenfeld und ihre Kompetenzen können ganz unterschiedlich definiert sein. Bei den Opferhilfestellen und unabhängigen Beratungsstellen ist nicht immer sicher gestellt, dass die Beratungspersonen in Fragen der Behinderung bewandert sind. Die Ombuds- resp. Schlichtungsstellen wiederum kennen sich nicht immer in Fragen zu sexueller Ausbeutung und Missbrauch aus. Hier gibt es noch Bedarf an Wissensabgleich.

 

Externe Aufsicht

Die externe Aufsicht stellt i.d.R. der Kanton dar, welcher die Bewilligung zur Führung der Institution erteilt. Diese Kontrolle sollte regelmässig und von offiziellen Vertreterinnen/Vertretern mit fachlichem Hintergrund erfolgen. Weil eine umfassende Kontrolle viel Zeit beansprucht, sollte die Aufsicht langfristig geplant und mit überraschenden Stichproben erfolgen. Nach erfolgter Kontrolle soll ein schriftlicher Bericht erstellt und muss mit der Heimleitung ein offenes Gespräch geführt werden, welches insbesondere alle Mängelrügen beinhaltet.


HANDLUNG UND VERNETZUNG IST DRINGEND NOTWENDIG

Für die verbandsübergreifende Arbeitsgruppe Prävention, welche die Bestandesaufnahme in Auftrag gegeben hat, ist dringender Handlungsbedarf gegeben. Es darf nicht sein, dass gerade für besonders von sexueller Gewalt bedrohte Personengruppen – wie Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit Behinderung – heute zu wenige bis gar keine Angebote vorhanden sind. Deshalb wünscht sich die Verbandsübergreifende Arbeitsgruppe Prävention, sich mit Kantonen, dem Bund, anderen zuständigen Stellen und Organisationen zu vernetzten, um Massnahmen zu prüfen und Fachwissen und Erfahrung auszutauschen.

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12 VERBÄNDE BILDEN EINE ARBEITSGRUPPE

Quelle und letzte Änderung: Charta Prävention, 27.06.2016, 12:44

agogis Stefan Osbahr, Geschäftsführer
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18964stefan.osbahr3939423726@1501436258agogis.ch43322
 Website agogis
agogis Anita Moosmann, Geschäftsführerin
Tel. 031 911 91 09
45779anita.moosmann4799224757@4870837988autism.ch16729
www.autism.ch
agogis

Stéphane Beuchat, Co-Geschäftsleiter
Tel. 031 380 83 04 
11953s.beuchat2244146138@3292136929avenirsocial.ch42278

Thomas Michel, Vorstandsmitglied
Tel. 079 670 42 66
www.avenirsocial.ch

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Konrad Stokar, Geschäftsleiter
Tel. 032 622 22 21
16321konrad.stokar4529825480@1724311981vereinigung-cerebral.ch32466
www.vereinigung-cerebral.ch

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agogis Heidi Lauper, Co-Geschäftsleiterin
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38345helena.bigler3060927169@3448313529procap.ch14097
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Susann Egli, Mitglied Geschäftsleitung
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Rudolf Weber, Arzt
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