Alle Menschen sollen das gleiche Recht haben!

Am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben, fordert die UNO-Konvention.

Die Umsetzung bereitet aber Mühe.

 

AUF AUGENHÖHE - INKLUSION

 

 «Im Unterschied zur Integration, die eine Wiedereingliederung von Ausgegrenzten ermöglichen soll, setzt Inklusion eine gleiche Wertigkeit aller Mitglieder der Gesellschaft – wer gleichwertig ist, muss nicht in bestehende Systeme eingegliedert werden, sondern gehört dazu»

Sowohl Anhänger der Integration also auch solche der Inklusion treten für das Recht aller ein, unabhängig von ihren Fähigkeiten, Beeinträchtigungen oder ihrer Herkunft am gesellschaftlichen Leben teilhaben zu können.

  • Integration definiert jedoch eine Norm, unterscheidet in «Schweizer, Normale (Gesund, arbeitet, etc.» und «Ausländer, nicht Normale». Es geht darum, die «Anderen, nicht Normalen» Menschen in eine gesellschaftlich definierte Norm zu integrieren. Die « Anderen, nicht Normalen» müssen sich der Norm anpassen und integrieren lassen.
  • Inklusion zieht keine normativen Grenzen. Verschiedenheit - Vielfalt ist die Normalität. Das Konzept anerkennt die Verschiedenartigkeit und Vielfalt der Menschen als «normal», die Menschen werden nicht in Gruppen eingeteilt. Inklusion bedeutet Mitbestimmung, Mitgestaltung und Teilhabe für alle Menschen ohne Ausnahme. Die Gesellschaft hat sich an die unterschiedlichen Bedürfnisse der Menschen anzupassen. Sie muss Dienstleistungen zur Verfügung stellen, die eine selbstverständliche Teilhabe ermöglichen.

ALLE MENSCHEN SIND VERSCHIEDEN

Inklusion ist noch nicht angekommen! Es finden sich hingegen häufig andere Auslegungen des Begriffs. Vieles, das sich fortschrittlich und hilfreich sieht, wirbt mit dem Etikett der Integration. Das Problem hingegen ist, dass integrative Sichtweisen und strukturelle Änderungen im sozialen zwar zugelassen werden, die Haltungen werden aber in der Regel nicht angepasst.

Beispiel: «Das Kind ohne Förderbedarf ist das ‹normale›. Das andere, das funktionsgeminderte Kind, ist das Kind mit Defizit». «Der Ausländer mit Arbeit ist ‹integriert›. Der Ausländer, ohne Arbeit, ist ein Schmarotzer». 

WO FINDET INKLUSION STATT

Inklusion ist aber nicht nur die Weiterentwicklung einer pädagogischen und sozialen Idee, sondern auch ein gesellschaftspolitischer Ansatz.

Es bezieht sich auf sämtliche Lebensbereiche: Wohnen, Freizeit, Bildung, Arbeit. Alle Menschen, unabhängig von ihren Fähigkeiten oder Beeinträchtigungen, unabhängig von ihrer ethnischen, kulturellen oder sozialen Herkunft, von Alter und Geschlecht, sollen gleichberechtigt am gesellschaftlichen Leben teilhaben können.

 

«Inklusion bedeutet, davon auszugehen, dass alle Menschen unterschiedlich sind und dass jede Person mitgestalten und mitbestimmen darf»

 

«Inklusion steht in der Schweiz ganz am Anfang. Das Verständnis für den Begriff ist noch nicht vorhanden»

Zu Beginn der 1990er-Jahre wurde der Begriff «inclusion» international bekannt. Vor allem durch die UNESCO-Konferenz, die im Jahr 1994 in Salamanca stattgefunden hat. Über 300 Delegierte von 92 Regierungen und 25 internationalen Organisationen trafen sich, um politische Änderungen zur Förderung einer inklusiven Pädagogik zu diskutieren.

Dies bedeutet: Alle gesellschaftlichen Bereiche müssen für die Teilhabe für jeden Menschen zugeschnitten sein oder geöffnet werden. Es ist nicht Aufgabe des Einzelnen, sich anzupassen, um seine Rechte wahrzunehmen, sondern jene der Gesellschaft.

Bislang fand kaum eine nennenswerte politische Auseinandersetzung mit dem internationalen Regelwerk und dem Begriff der Inklusion statt. Die gesetzliche Verankerung ist dass eine. Die praktische Umsetzung ist jedoch etwas anderes.

«Grundsätzlich geht es darum, Menschen mit Unterstützungsbedarf zu signalisieren, dass sie auch willkommen, wertgeschätzt und gleichwertig sind.»

WAS UNTERNIMMT DIE SCHWEIZ

So hat die deutsche Bundesregierung auch die UNO-Konvention in schwerer und leichter Sprache abgefasst und in verschiedenen Bereichen Peer Pool realisiert. Praxisnahe Inklusion gibt es auch anderswo - Schweden, Holland und Österreich. Hierzulande wird etwa 40% der TV-Sendezeit untertitelt und auf srf Info die Hauptausgabe der Tagesschau in Gebärdensprach angeboten.

Doch wie sieht es im Arbeitsmarkt aus? Von solchen Dienstleistungen ist die Schweiz noch weit entfernt. Aber es gibt im Kleinen durchaus inklusive Projekte. Wie EX IN Bern es umsetzt. Sie steht für "Experienced Involvement", zu deutsch "Einbezug Erfahrener".

In dem Sinn sollte eine Umsetzung in jeder Hinsicht stattfinden und die Lebenserfahrung wertgeschätzt werden und diese in Projekte und Dienstleistungen mitbestimmen lassen.

Nach dem Motto: Mit Uns, nicht über Uns.