Kinder suchen Eltern

und nicht

Eltern suchen kinder


Quelle, Staatsarchiv Bern. Inserat aus dem Jahr 1956

SCHWEIZERISCHES ZIVILGESETZBUCH - ZGB

Die Inkraftsetzung des ZGB ist ein entscheidender Einschnitt: Mit dem neuen Gesetz wurden schweizweit «vormundschaftliche Eingriffe in die Familie», zum Beispiel Kindswegnahmen möglich und «die Zahl der Vormundschaften über Kinder und Erwachsene wuchs mit den neuen Bestimmungen massiv an»

Auf eidgenössischer Ebene wurden zwei Instrumente für den Schutz von Kindern und Jugendlichen festgeschrieben, welche den Vormundschaftsbehörden in den Gemeinden zur Verfügung stehen.
Sie haben die Möglichkeit mittels Obhutsentzug, den Eltern – die ihre Kinder nicht selber betreuen und erziehen können – die Kinder wegzunehmen und sie fremdzuplatzieren, oder sie können den Eltern die elterliche Sorge ganz entziehen.

Viele Kinder wurden ihren Eltern mittels der neuen Kindesschutzmassnahmen im ZGB weggenommen und in Pflegefamilien und Heimen untergebracht, wo sie aber keineswegs eine «bessere» Erziehung erhielten, sondern oft misshandelt und sexuell ausgebeutet wurden. Eltern welche sich gegen die Massnahmen wehrten, wurden in Psychiatrien und Arbeitsanstalten auf unbestimmte Zeit versorgt.

Bürgerliche FürsorgerInnen haben im Auftrag der Armenvormundschaft, die Situation von Kindern in den Pflegefamilien zu inspizieren und aufgrund ihrer – von den zum Teil unmenschlichen Lebensumständen der Arbeiter und ihrer Frauen weit entfernten Vorstellungen über Erziehung zu beurteilten.

ILLEGALE ADOPTION

Die Kontrolle über internationale Adoptionen ist in der Schweiz ungenügend

Zu diesem Schluss kommt eine Studie der Stiftung Terre des hommes. In der Studie wurde verglichen, wie die sechs europäischen Länder Spanien, Frankreich, Italien, Norwegen, Deutschland und Schweiz, internationale Adoptionen abwickeln.

In Bezug auf private Adoptionen steht die Schweiz auf dem drittletzten Platz, vor Frankreich und Spanien. "Für Schweizer Paare ist es noch immer möglich, auf eigene Faust übers Internet oder eine Agentur im Ausland nach einem Kind zu suchen", sagt Marlène Hofstetter, Mitautorin der Studie von Terre des Hommes.
"Hat das Paar eine Pflegeplatzbewilligung vom Kanton und erhält das Kind ein Visum im Herkunftsland, steht der Adoption nichts mehr im Weg"
Dass dieser Weg – obwohl viele andere Länder immer mehr davon absehen – in der Schweiz noch immer möglich ist, kritisieren AMA-Anlaufstelle für Missbrauch in der Adoption. Die Kantonsbehörden, die in diesen Verfahren für die Kontrolle zuständig sind, hätten zuwenig Überblick über die Situation in den Herkunftsländern.

PRIVATE ADOPTIONEN – EIN RISIKO

Ein Viertel der über 300 internationalen Adoptionen pro Jahr finden auf privatem Weg statt. David Urwyler, Leiter der zentralen Adoptionsbehörden beim Bundesamt für Justiz (BJ), räumt Verbesserungspotenzial ein.
"In der Schweiz sind es mit 40 bis 60 Fällen wenige, die ohne Begleitung von in der Schweiz bewilligten Vermittlungsstellen abgewickelt werden", relativiert er die Kritik. "Doch wenn es nur in einem dieser Fälle zu Kinderhandel oder Unregelmässigkeiten im Verfahren gekommen ist, dann ist dies trotzdem ein Fall zu viel."
Marlène Hofstetter von Terre des Hommes ist überzeugt, dass bei privaten Adoptionen das Risiko für Kinderrechts-Verletzungen erheblich ist. "Gerade wenn es sich um Adoptionen aus Ländern wie Äthiopien, Haiti oder Nepal handelt, die keinerlei Garantien bieten für den Kinderschutz."
Das Zivilgesetzbuch müsste entsprechend angepasst und Adoptionsverfahren dieser Art verboten werden

Hostetter will nun in der Schweiz Parlamentarier mobilisieren, die sich dafür einsetzen.


DAS KIND ALS WARE

Die Nachfrage nach Adoptivkindern hat in den letzten Jahren in vielen industrialisierten Ländern stark zugenommen. Dies, weil die natürliche Fruchtbarkeit abnimmt und die Familienplanung bei vielen Paaren auf einen späteren Zeitpunkt vertagt wird.
So viele Babys, wie gewünscht werden, stehen aber gar nicht zur Verfügung. Wartefristen von fünf Jahren sind derzeit die Regel.

Laut Hofstetter entstehen dadurch Wettbewerbssituationen, die auch das Haager Adoptionsübereinkommen (HAÜ) nicht verhindern könne.
Die Studie kritisiert deshalb auch die standardisierten HAÜ-Adoptionsverfahren. "Aufnahmeländer, die für die administrativen Kosten den Herkunftsländern mehr bezahlen als andere, erhalten meist auch mehr Kinder zugeteilt." Somit werde das Adoptivkind zum Handelsgut, heisst es in der Studie.

GLEICHE KOSTEN FÜR ALLE

In der Schweiz ist dies laut Urwyler vom BJ klar geregelt: "Die Schweiz akzeptiert nur Vermittlungsstellen, bei denen die Kosten nachvollziehbar sind und keiner der Beteiligten einen ungerechtfertigten Gewinn erzielen kann." Da aber jeder HAÜ-Staat seine Adoptionsansätze individuell festlegen kann, ist gemäss Urwyler "diese Forderung nach finanzieller Transparenz sehr gerechtfertigt."
Marlène Hofstetter und AMA-Anlaufstelle für Missbrauch in der Adoption fordern, dass alle Vertragsstaaten die gleichen Kostenansätze für Adoptionsvermittlungen einführen. Die Studie wurde deshalb in Brüssel vor europäischen Parlamentariern und Adoptionsbehörden vorgestellt. Denn Handlungsbedarf ist dringend nötig.

Text: Sarah Fasolin


 

 

 

Zwischen 2001 und 2006 hat sich die Zahl der internationalen Adoptionen in der Schweiz fast verdoppelt. +94%
Die Mehrheit der adoptierten Kinder stammt aus Staaten, die das Haager Übereinkommen nicht ratifiziert haben.


Die Schweiz zählt pro Jahr rund 300 internationale Adoptionen. Rund ein Viertel finden auf privatem Weg, also Illegal statt.

Schlupflöcher für Kinderhandel tun sich bei der Schweizerischen Adoptionspraxis auf. Schon der Bericht des Bundesrates von 2006 über Adoption in der Schweiz macht stutzig: Es zeigt sich, dass in den Jahren 2003 und 2004 zusammen 74 Kinder aus Rumänien adoptiert wurden. Eine Einreisebewilligung erhielten offiziell jedoch nur 27 rumänische Kinder. Im gleichen Zeitraum wurden 139 Kinder aus Kolumbien adoptiert. Aber lediglich 59 kolumbianische Kinder reisten in die Schweiz ein. Wenn mehr Kinder adoptiert wurden, als einreisten, liegt der Verdacht nahe, dass einige illegal ins Land geschleust und also auch gehandelt wurden.

Nachgefragt, wie diese Unterschiede zu erklären seien, relativieren die Behörden. Es sei möglich, dass die Einreisebewilligung lange vor der Adoption erteilt worden sei und sich die Zahlen deswegen nicht deckten. Oder: Nicht alle Kantone würden alle adoptierten Kinder erfassen.

Text: von Ann Guenter


SCHWEIZER ADOPTIEREN KAUM NOCH KINDER

In der Schweiz hat sich die Zahl der Adoptionen in den letzten 35 Jahren auf einen drittel reduziert. Grund dafür sind der medizinische Fortschritt, sowie die hohen Hürden bei einer Auslands-adoption.

Zwischen 1980 und 2012 ist die Zahl der Adoptionen von 1600 auf 513 Fälle kontinuierlich zurückgegangen. Je nach Jahr betrug das Durchschnittsalter adoptierter Personen zwischen 7 und 11 Jahre. Von den 513 im Jahr 2012 adoptierten Personen waren zum Zeitpunkt der Adoption 66,9 % zwischen 0 und 14 Jahre alt. Personen, die adoptiert werden, können sowohl unmündig als auch mündig sein


ROMADOPT HANDELT ILLEGAL

Februar 2005   

Adoptionswillige Ehepaare aus der Schweiz bezahlten mehrere tausend Dollar an die Adoptionsagentur Romadopt, die rumänische Kinder vermittelt. Rumänien lässt seit vier Jahren offiziell keine Adoptionen durch Ausländer mehr zu.