VORMUNDSCHAFT & BEISTANDSCHAFT - 31. 12. 2012

 

Wenn Menschen nicht mehr für sich selbst oder für ihre Kinder sorgen können, übernimmt der Staat diese Aufgabe. Die notwendigen, aber oft heiklen Entscheide trafen die Armen-, später Vormundschaftsbehörden der Gemeinden, bis zum 31.12.2012. Vielerorts war die Vormundschaftsbehörde identisch mit dem Gemeinderat. Es waren also vom Volk nach politischer Couleur gewählte Laien, wie Pfarrer und Lehrer, die darüber zu befinden hatten, ob etwa ein Kind bei gewalttätigen Eltern bleiben durfte.

Diese Lösung hatte zwar den Vorteil, dass die Behörden die Betroffenen gut kannten – anderseits aber scheuten sie zuweilen harte Entscheide, sei es aus finanziellen Gründen, sei es, weil ein Betroffener vorgaukeln konnte, keine Probleme zu haben.

 

Diese übten dieses Amt als Lukratives Nebenamt aus, da sie pro Kind entlohnt wurden. Erzieherische oder Pädagogische Kenntnisse waren nicht notwendig. Das Wohl des Kindes war zweitrangig.

Ihre Aufgabe bestand darin, das Kind so billig wie möglich zu Platzieren. Hierfür wurde Ihnen sehr grossen Freiraum eingeräumt. Ihre Empfehlungen wurden von der Aufsichtsbehörde gerne genehmigt. Das heisst, Sie forderten die Alimente von den leiblichen Eltern ein und Sie verwalteten das Vermögen des Mündels.

Die Aufsichtsbehörde kam ihrer Aufgabe der Kontrolle nicht nach, dass der Beistand oder Vormund sein Mündel periodisch besuchen sollte und nach seinem Empfinden anfragen sollte. Viele Heime und Pflegeeltern nutzten dies aus und versklavten ihre Mündel zu harter Arbeit mit zusätzlichen psychischen und physischen Strafen.

 

Die Praxis, Arme, Ledige und Junge Eltern schlecht hinzustellen, war Schweiz weit bis in die 80ger Jahre des 20. Jahrhunderts üblich. Die Recherchen über die leiblichen Eltern, beruhten über Aussagen von Verwandten, Nachbaren und Arbeitgebern. Das diese Aussagen oft Unwahr und Interpretationen widerspiegelten, überprüften die Beistände oder Vormünder des Kindes nicht.

 

WAS SPRICHT FÜR DIE KESB

Natürlich goutieren es viele Gemeinden nicht, dass nun andere über «ihre» Einwohner entscheiden. Ihnen bleibt, zu zahlen, was andere anordnen. Ein Recht auf Einsprache haben sie nicht. Doch dieser Preis ist in Kauf zu nehmen. Das ist der Staat jenen schuldig, über deren Leben er bestimmt: dass ihr Fall nach fachlichen, nicht finanziellen Kriterien beurteilt wird. Dass Fakten, nicht Freundschaften über das Schicksal eines Menschen entscheiden.

Und noch etwas spricht für Profis:

Wenn eine harte Anordnung fachlich gut begründet ist, so ist sie leichter zu akzeptieren.

Genau hier aber hat die neue Behörde ihre Schwäche:

In vielen Fällen schaffen es die KESB nicht, Entscheide so zu kommunizieren, dass die Betroffenen sie nachvollziehen können.

Das ist stossend. Umso mehr, als es hier meist um Menschen in Ausnahmesituationen geht. Profis müssten sich dessen bewusst sein. Und dementsprechend handeln. Selbst wenn das viel Zeit kostet – Zeit, die oft fehlt, weil die KESB notorisch überlastet sind.

Nur:

Der Staat ist es den Betroffenen schuldig, dass er sein Handeln klar und verständlich erklärt. Selbst wenn das heisst, dass die KESB mehr Mitarbeiter einstellen müssen und damit noch ein bisschen teurer werden.  siehe KESB HEUTE

Liliane Minor, Redaktorin Zürich und Region am 21.07.2014.

Aktualisiert  Januar 2015