urvertrauen

Von allen Rechtsinstitutionen, die von der menschlichen Gesellschaft entwickelt wurde, ist die Adoption wohl eine der ältesten und faszinierendsten.

Indem sie ein Eltern-Kind Verhältnis ohne Blutsverwandtschaft schafft, kopiert sie die Natur und Konkurrenziert diese zugleich.

Wegen der grossen Unterschiede der Motive und der Wirkungen, die mit ihr während den Jahrhunderten rund um die Welt verbunden worden sind, bildet die Adoption aber auch ein ambivalentes Rechtsinstitut.

Der Menschenbaum steht in Israel
Der Menschenbaum steht in Israel


Keine Adoption geschieht aus freiem Interesse einfach ein Kind wegzugeben!

Es sind Schicksale wie Armut, Krankheit, Kindsvater fehlt,

Milieubedingte Voraussetzungen und oft massiven Druck. 

Zusätzlich finden gezielt Zwangsadoptionen in Katastrophengebieten

und dritt Weltländer statt.


pflege- & adoptivkinder, ihre rechtliche & situation ist grundverschieden

Adoptiveltern haben alle Rechte am Kind, das Kind kennt seine Herkunftseltern in der Regel nicht. Die Adoptionseltern können sich nach dem Adoptionsverfahren in ihr Privatleben zurückziehen. Pflegeeltern dagegen müssen ihre Familie öffnen, sie sind eine Kleinsteinrichtung der KESB = Kinder- und Erwachsenenschutzbehörde und bekommen von diesem Unterhaltszahlungen. Manche sind tagtäglich mit der Herkunftsfamilie des Kindes konfrontiert.

Pflege- und Adoptivkinder kommen so gut wie nie aus einer heilen Welt. Sonst hätten sie dort nicht fortgemusst

Pflege- und Adoptiveltern haben über die Herkunft der Kinder oft auch mit vielfältigen Beziehungsstörungen, Gewalt, Missbrauch, Armut, Kriminalität, Drogenabhängigkeit, Psychiatrie, Alkoholismus und vieles andere mehr zu tun. Sie werden dem Kind nur gerecht, wenn sie sich von diesen schlechten Verhältnissen nicht einfach distanzieren. Denn das Kind fühlt sich als Teil seiner Herkunft. Nur wenn die beiden Lebenswelten eines Kindes bei aller Verschiedenheit auch versöhnende Elemente aufweisen, kann es sich als wertvoll und als ganzer Mensch fühlen.

Ruth Bietenhard und Irmela Wiemann


Emotionale Bindungen zu Adoptiveltern und Adoptivgeschwistern entstehen.

Aber sie sind immer freiwillig.

Das Kind, ob das eigene oder das adoptierte, gehört letztlich nur sich selbst.


freunde kann man aussuchen, verwandte nicht

Adoptivkinder werden ihrer Herkunftsidentität beraubt

Es ist schwer zu wissen, wohin man gehen soll, wenn man nicht weiss, woher man kommt. In der leiblichen Familie aufzuwachsen, ist in unserer Kultur selbstverständlich. Kinder sind Teil ihrer Verwandtschaft, letztes Glied von Generationen. Das Kind sieht jemandem in der Familie oder Verwandtschaft ähnlich.

Kaum vorstellbar, was es auf dem Hintergrund dieser kulturellen Norm für ein Kind bedeutet, als Pflege- oder Adoptivkind aufzuwachsen, fremdplaziert worden zu sein, fortgegeben von seiner Familie: ausgetauscht

Ehemalige Adoptierte setzen sich mit der Frage nach ihrem Woher früher oder später auseinander. Sie alle sind getrieben von der Sucht nach ihren leiblichen Eltern, um sich so ihrer eigentlichen Identität zu vergewissern.

In der Biografie eines ehemaligen Adoptierten kommen tiefsitzende Verlustängste zum Ausdruck, Aggressionen gegenüber der weggebenden Mutter, schwere seelische Verwundungen, aber auch Projektionen, denen keine noch so perfekte Mutter genügen könnte.

In den Beziehungen zwischen Adoptivkindern und Adoptionseltern enthüllen sich Schuldgefühle und massive Verunsicherungen auf beiden Seiten, und neben einer trotzigen Abrechnung steht die dankbare oder fast schuldbewusste Anerkennung ihrer Liebe und Führsorge.

Adoptiert ist also nicht nur ein schönes, oft ein erschütterndes Buch, das uns alle, Betroffene und nicht Betroffene, mit hinein nimmt in seine Fragen und Antworten

Ruth Bietenhard und Irmela Wiemann


kinderwunsch

Heute machen Medizin und Geld den Kinderwunsch auch möglich, wo er früher unerfüllt blieb. Aber woher kommt er eigentlich?

Die ersten Karriereschritte waren genommen. Ferne Länder bereist und das exzessive Ausgehen bis tief in die Nacht hatte seinen Reiz verloren. "Es passt eben, anders kann man den Zeitpunkt nicht beschreiben." 

Der Kinderwunsch hatte sich fast unbemerkt vom Irgendwann ins Jetzt geschoben.

Andere werdende Mütter erzählen, dass es der richtige Partner an ihrer Seite war, der plötzlich intensiv den Wunsch nach einem Kind weckt. Es gibt auch Frauen, die schildern, dass ein unsicherer Arbeitsplatz oder

der steigende Druck von Freunden und Familie letztlich ausschlaggebend waren.

Bei so manchen drängte auch das Alter; und andere wussten schon immer, dass sie mit spätestens 25 eine Familie gründen wollten.

Warum aber entscheiden sich Menschen überhaupt dafür Kinder in die Welt zu setzen? Ist die Antwort darauf so banal, wie sie scheint?

Biologie und gesellschaftliche Prägung haben sicher ihre Finger im Spiel. Erklärt das aber schlüssig, wann Menschen diesem Wunsch Taten folgen lassen, oder auch nicht? Erklärt es, wo der Wunsch nach einem Kind eigentlich herkommt und warum er so umfassend und einschneidend sein kann? Warum wir gleichzeitig immer weniger Kinder haben? An der Beantwortung dieser Fragen entscheiden sich Einzelschicksale, aber auch die Zukunft von Partnerschaft und wenn man der überhitzten demographischen Depatte dieser Tage glauben will, entscheidet sich daran womöglich auch die Zukunftsfähigkeit ganzer Volkswirtschaften.

Kinderwunsch öffnet einen Markt, in dem Menschenleben zur Ware wird - den Adoptionsmarkt. 

Lucia Schmidt


der inoffizielle weg

Um die Hürden einer Auslandadoption zu umgehen und den Weg abzukürzen, gehen viele Paare den Weg der Privatadoption. Damit bewegen sie sich in einer juristischen Grauzone. Dennoch entscheidet sich in der Schweiz heute knapp jedes dritte Paar für diesen Weg.

Damit entfallen natürlich die Abklärungen zum Wohl des Kindes, welche die offiziellen Behörden im Vorfeld vornehmen. Den Jugendämtern bleibt nichts anderes, als die Selbstbeschaffungs-Adoption abzunicken, denn sie können gekaufte Kinder nicht zurückschicken.

Die Adoptiveltern ihrerseits müssen sich klar werden, ob sie mit fragwürdigen und manchmal auch ungesetzlichen Praktiken bei einer solchen Privatadoption leben können.

Schätzungen zufolge sind 80 Prozent der Kinder aus Ländern, in denen es kaum Kontrollen gibt, aus Fällen von Kinderhandel und Kindsentführung. Adoption ist ein grosses Geschäft. Aus Haiti, Nepal oder Vietnam gibt es immer wieder Negativmeldungen. Zudem häufen sich die Fälle von Bulgarinnen oder Rumäninnen, die in der Schweiz gebären und ihre Kinder aus finanziellen Gründen direkt zur Adoption freigeben.

Ich will meinem Kind, wenn es nach seinen Eltern fragt

nicht sagen müssen, dass ich es gekauft habe

Nach US-amerikanischem Recht kann man für 40'000 bis 50'000 Dollar ein noch ungeborenes Kind von einer Leihmutter kaufen. Ab 20'000 Dollar gibt es eines aus dem Katalog.

Bereits laufen in der Schweiz politische Bestrebungen, solche private Adoptionen zu verbieten. Denn das Problem dabei: Der Kinderexport ist für das Kind häufig nicht der beste Weg.

Nicht nur der Verlust der leiblichen Eltern, sondern auch der Verlust seiner Kultur und der Sprache hinterlässt tiefe Narben. Und wenn das Kind nicht gesund sein sollte, übernimmt niemand die Garantie.

Aber auch, wenn es ein paar Jahre lang gut geht: Immer wieder kommt es vor, dass adoptierte Kinder wegen massiven Verhaltens- und Lernproblemen in ein Kinderheim gegeben werden müssen, weil die Adoptionseltern mit ihm nicht mehr klarkommen.

Quelle: Familienleben


institution adoption - notwendig, oder hat adoption ausgedient?

In unserer Zeitrechnung eine berechtigte, aber schwer zu beantwortende Frage!

Wichtig ist, dass betreffend Adoption eine Sensibilisierung stattfinden muss. Mythen aufgeräumt werden und die Adoption auch unter den Adoptionsakteuren kein Tabu bleiben darf.

Fest steht, dass die Adoption zunehmend rückläufig ist. Frauen stehen heute durch die Medizin andere Wege offen, um den Kinderwunsch zu erfühlen.

Andererseits, vorwiegend in dritt Weltländer ist die Vergewaltigung noch immer sehr hoch und Verhüttung selten bekannt, oder nicht erschwinglich und oft durch den Glauben ein Schwangerschaftsabbruch verboten.

Organisationen nutzen diese Ohnmacht der Mütter aus und nicht selten entsteht ein Schwarzmarkt - Baby- und Kinderhandel. 

All das muss Thematisiert und angegangen werden. Dazu kann nicht nur jeder Einzelne, auch Organisationen und Regierungen können sehr viel zur Sensibilisierung und Einhaltung der Menschenrechte beitragen.

Und warum können diese Kinder nicht in ihrem Kulturkreis unterstützt werden?

Kann oder will die leibliche Mutter das Kind in andere Fürsorge übergeben, muss immer zuerst im Herkunftsland nach einer geeigneten Familie gesucht werden; zum Beispiel durch eine Patenschaft wäre die Zukunft des Kindes, im Herkunftsland abgesichert.

Findet sich keine Inland Lösung, kommt nur eine Familie außer Landes in Frage, wenn die Herkunft und Informationen zur Wurzelsuche gegeben sind.

Beratungs- Ombudsstellen und eine Adoptionsplattform sind wichtige Pfeiler für Adoptionsakteure

Kompetente Ansprechpartner müssen Adoptionsbetroffenen in schwierigen Situationen beistehen. Hier darf nicht außer acht gelassen werden, das Adoptionsbetroffene Experten in eigener Sache, der Adoption sind und als diese kompetente Ansprechpartner sind.

Eine Adoptionsplattform vernetzt und bündelt alle Akteure, fördert das Gelingen, den Kontakt und die Aufklärung und erleichter die Suche nach Angehörigen nicht nur Hierzulande, auch Weltweit.

Das Wohl des Kindes muss immer im Fokus stehen!

Die Institution Adoption wird wohl auch weiterhin Babys und Kleinkinder an Adoptionswillige vermitteln.

Abgebende Mütter und Adoptionswillige müssen sich vor der Adoption mit dem Gesetz, Volladoption oder Offene Adoption auseinander setzen. Dabei soll der Fokus auf die Interessen des Kindes gerichtet werden. Früher oder später will jede adoptierte Person, die Kenntnis über ihre Herkunft. Man tut Gutes, die Herkunft vom ersten Tag der Adoption, Kindgerecht dem Heranwachsenden Adoptierten mitzuteilen. 

Ich als Adoptierte bin eine Vertreterin der Offenen Adoption. Hier erhält die biologische Mutter die Kenntnisnahme ihres zur Adoption freigegebenen Kind, wenn dieses seine Volljährigkeit erlangt und die Zustimmung zur Kentnisnahme erteilt. Sind alle Adoptionsakteure sich einig, kann ein Besuchsrecht zwischen dem Adoptivkind und der biologischen Mutter stattfinden, oder ein Brief und Foto austausch. Wichtig ist, was das Kind will und bei Auslandsadoption, darf Kultur, Glaube und Landessprache nicht totgeschwiegen werden.

Einfach Eltern sein und Liebe, Geborgenheit und Hoffnung geben

Adoption ist ein Thema in Patchworkfamilien, zur Gleichstellung der Kinder und bei Gleichgeschlechtlichen Paaren, auf dessen Problematik ich hier nicht eingehen möchte, aber mit Nachdruck darauf beruhe, dass die Eltern-Geschlechterrolle bei der Erziehung keine Rolle spielt. Einzig Liebe, Geborgenheit, Hoffnung und Ehrlichkeit der Eltern gegenüber dem Kind zählt!

Lisa Brönnimann


Besuchen Sie die Wanderausstellung ADOPTIONSTABU und erfahren Sie mehr über

das Urbedürfnis um und mit Adoption


Aktualisiert am 11. März 2017